22.08.2010
Honig von der Pumpstation
Die STADTIMKEREI finger beteiligt sich mit einem Bienenstand im Autobahnkreuz Kaiserberg an der RUHR 2010 – Kulturhauptstadt Europas und dem Ausstellungsprojekts „B1| A40 DIE SCHÖNHEIT DER GROSSEN STRASSE“ des Kurators Markus Ambach.
Direkt an der A 40, die durch die unbekannte Mitte des Ruhrgebiets führt und eine der meist befahrenen Autobahnen Deutschlands ist, stand vom 12. Juni bis zum 08. August 2010 auf dem Dach einer Pumpstation ein um ein Vielfaches vergrößerter „Bienenkorb“, der an die traditionelle Korbimkerei erinnerte.
Die 4 Meter hohe Skulptur bestand aus einem Stahlgerüst, um das gelbes Drainagerohr gewickelt wurde, wie es von Baustellen bekannt ist. Nachts leuchtete der Bienenkorb, so dass er als Landmarke bereits aus großer Entfernung und auch bei schnellem Vorbeifahren wahrgenommen werden konnte. In Kooperation mit dem Duisburger Imker Sven Schwanbeck, richtete die STADTIMKEREI finger neben dem Bienenkorb einen Bienenstand ein, der den Honig aus der Pumpstation erzeugte.
In Ballungsgebieten wie diesen finden die Bienen bereits in einem Flugkreis von wenigen Kilometern ein vielfältiges und ausreichendes Nahrungsangebot. Damit sind die Lebensbedingungen in Städten und Ballungsräumen oft besser als in ländlichen Bereichen, die von Monokulturen und industrieller Landwirtschaft geprägt sind.
Allerdings müssen Imker und ihre Kundschaft beim Stadt- oder auch „Autobahn“-Honig auf sortenreine Ernte verzichten. Stattdessen ergibt die immense Vielfalt an unterschiedlichsten angeflogenen Blüten häufig eine aromatische Delikatesse, die unnachahmlich von den lokalen Trachten geprägt ist.
Um zu untersuchen und darzustellen, wie sich die Vielfalt an Trachtpflanzen in dieser Region zusammensetzt und welche Blütenanteile dabei den Honig charakterisieren, wurde der erzeugte Honig im Bieneninstitut Celle einer quantitativen und qualitativen Honiganalyse unterzogen.
Einen ersten Eindruck vermittelte die grafische Umsetzung der Honiganalyse in der temporär angesiedelten “beebox-Pumpstation” im Rhein-Ruhrzentrum Mühlheim. Die Mengenverhältnisse der unterschiedlichen Blüten werden hier anhand verscheidener Blütensymbole sichtbar gemacht. So spiegelt eine bunte Blütentapete genau die Zusammensetzung des Honigs wieder: Dem Löwenanteil gelber Rapsblüten stehen eine bunte Vielfalt von Majoran, Erdbeere, Maiglöckchen, Glockenblume, Erika oder Efeu gegenüber.
Besucher konnten sich täglich im Einkaufszentrum über drei verschiedenen Honige informieren, sie probieren und erwerben:
- “Honig von der Pumpstation” aus der Imkerei Sven Schwanbeck vom Dach der Pumpstation auf dem Autobahnkreuz Kaiserberg
- Eine Mischung von Honigen lokaler Imker aus dem Flugkreis um das Autobahnkreuz Kaiserberg
- Cuvée „Rhein-Ruhr-Zentrum“, eine Mischung von im Rhein-Ruhr-Zentrum erworbenen Honigen aus aller Welt.
Ein Ziel dieser Honigpräsentation war es die Besucher des Einkaufzentrums über die Zusammensetzung, Qualität und gesundheitlichen Mehrwert der angebotenen Honige aufzuklären. Die Honiganalyse des Cuvées „Rhein-Ruhr-Zentrum“ ergab, dass die meisten der enthaltenen Trachtpflanzen und Honigspender aus Süd- und Mittelamerika sowie aus Südeuropa stammten – was Auswirkungen auf Geschmack und Qualität hatte. Salopp gesagt war die Mischung „babbig und süß“.
Die „zusammengekaufte“ Mischung bestimmte auch den Preis aller drei angebotenen Honige. Der mittlere Preis der gekauften Honige lag bei 3,30 Euro für 250 Gramm. Zum selben Preis konnten sich Kunden nun auch für ein Glas selben Inhalts von der Pumpstation entscheiden – mit der typischen ortspezifischen Flora.
Schadstoffe waren zwar erwartet, aber praktisch nicht nachgewiesen worden. Eine frühere Analyse eines Honigs aus der Innenstadt von Hildesheim beispielsweise ergab keine nachweisbaren Mengen an Cadmium und Blei. Alle untersuchten Honige, einschließlich des Honigs von der Pumpstation, entsprachen der strengen Verordnung des deutschen Imkerbunds.

